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Gewerbefreiheit für jedermann

In Deutschland besteht Gewerbefreiheit. Grundsätzlich kann jedermann eine gewerbliche Tätigkeit aufnehmen, verändern oder beenden ohne Rücksicht auf Alter, Ausbildung und Herkunft. Gewisse Einschränkungen bestehen für Ausländer aus Drittstaaten. Ganz allgemein besteht die Verpflichtung zur Gewerbeanzeige nach § 14 Gewerbeordnung (GewO), das heißt die Beantragung des so genannten "Gewerbescheins" (Gebühr 20 Euro). Die Gewerbeanmeldung erfolgt beim Gewerbeamt der Stadt- bzw. Gemeindeverwaltung, wo die Tätigkeit ausgeübt wird. Zeitpunkt: zur Geschäftseröffnung.

Für wenige Wirtschaftszweige bzw. Berufe bestehen besondere Zulassungsbedingungen, das heißt vor Aufnahme der Tätigkeit ist eine staatliche Genehmigung (in der Regel beim Gewerbeamt) zu beantragen und einzuholen:

  • Alten- und Krankenpflege
  • Arbeitnehmerüberlassung
  • Bewachungsgewerbe
  • Finanzdienstleister
  • Gaststätten- und Beherbergungsgewerbe
  • Güterkraftverkehr
  • Handel mit Arzneimitteln
  • Handel mit Milch und Milcherzeugnissen
  • Handwerk
  • Immobilienmakler
  • Personenbeförderung
  • Pfandleihgewerbe
  • Reisegewerbe
  • Versteigerergewerbe

Selbstständige Unternehmer sind in Deutschland neben den Gewerbetreibenden auch die so genannten freien Berufe. Darunter fallen insbesondere:

  • wissenschaftliche, künstlerische, schriftstellerische und unterrichtende Tätigkeiten
  • die so genannten Katalogberufe: Dolmetscher, beratende Betriebs- und Volkswirte, Ingenieure und Zahlreiche andere
  • ähnliche Berufe (Dienstleistungen höherer Art, die eine besondere Qualifikation erfordern).

Diese freien Berufe üben kein Gewerbe aus, sondern haben ihre selbstständige Tätigkeit lediglich beim Finanzamt formlos anzuzeigen. Einige freie Berufe, wie zum Beispiel Ärzte, Rechtsanwälte, Steuerberater bedürfen außerdem einer besonderen staatlichen Zulassung. Die freien Berufe sind nicht Mitglied der Industrie- und Handelskammer bzw. Handwerkskammer.

Handelsregister, Rechtsformen

Gewerbliche Unternehmer, die ein Handelsgewerbe betreiben, sind Kaufleute im Sinne des § 1 HGB und damit zwingend in das Handelsregister einzutragen. Die Eintragung erfolgt beim zuständigen Amtsgericht durch Einschaltung eines Notars. Als eingetragene Kaufleute können Unternehmer eine Firma führen. Zulässig sind, nach freier Wahl der Unternehmer, sogenannte Personen-, Sach-, Phantasie- und Mischfirmen. Nichtkaufleute (Kleingewerbetreibende), die einen kleinen Gewerbetrieb ohne hohen Umsatz und Beschäftigte führen, können sich freiwillig in das Handelsregister eintragen lassen. Eine generelle Pflicht zur Eintragung besteht bei ihnen jedoch nicht.

Weitere Informationen:
Merkblatt „Kaufmann im Handelsrecht“
Merkblatt „Freiwillige Eintragung in das Handelsregister


Wird das Geschäft durch mehrere Gesellschafter ausgeübt, stehen folgende Rechtsformen zur Verfügung:

Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) und
Offene Handelsgesellschaft (OHG)

Erfolgt die Unternehmensgründung durch mehrere, mindestens zwei Aktive, entsteht kraft Gesetz entweder eine GbR oder eine OHG. Die GbR wird ab einer bestimmten Geschäftsgröße automatisch zu einer OHG, die dann ins Handelsregister eingetragen werden muss. Für eine Gesellschaftsmehrheit besteht die freie Wahl ob GbR, OHG, KG. Nur OHG und KG werden ins Handelsregister eingetragen. Für beide Gesellschaften bestehen zwar gesetzlich keine besonderen Formvorschriften, doch empfiehlt sich dringend der Abschluss eines schriftlichen Gesellschaftsvertrages. Sowohl bei der GbR als auch bei der OHG haften alle Gesellschafter nicht nur mit dem gewerblichen, sondern mit dem gesamten privaten Vermögen.
Name der GbR: Vor- und Zuname aller Gesellschafter, gegebenenfalls auch zusätzliche Branchenbezeichnungen.
Name der OHG: Nach freier Wahl Personen-, Sach-, Phantasie- und Mischfirmen mit Gesellschaftszusatz "OHG"

Kommanditgesellschaft (KG), GmbH & Co.
Die Kommanditgesellschaft ist eine Sonderform der OHG. Sie besteht aus mindestens zwei Gesellschaftern, wobei mindestens ein Gesellschafter (Komplementär) unbeschränkt mit seinem gesamten Vermögen, wie der Gesellschafter der OHG, haftet. Der andere Teil (Kommanditist) haftet dagegen nur im Umfang seiner (in der Höhe beliebig festzulegenden) Kommanditeinlage. Auf Grund seiner beschränkten Haftung ist er auch nur mit einer festen Rate oder einer Kombination aus Festzins und Erfolgsbeteiligung am Gewinn und Verlust beteiligt. Bei der GmbH & Co. KG übernimmt eine GmbH die Rolle des persönlich haftenden Gesellschafters. Damit entsteht letztendlich eine beschränkt haftende Kommanditgesellschaft.
Name: Nach freier Wahl Personen-, Sach-, Phantasie- und Mischfirmen mit Gesellschaftszusatz "KG" bzw. "GmbH & Co. KG".

Weitere Informationen:
Merkblatt „Gründung einer Offenen Handelsgesellschaft (OHG)“
Merkblatt „Gründung einer Kommanditgesellschaft (KG)“
Merkblatt „Rechtsformen im Vergleich – GbR, OHG, KG“

Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH)

Die GmbH ist eine Kapitalgesellschaft mit eigener Rechtspersönlichkeit (juristische Person im Unterschied zu natürlichen Personen). Die Gesellschafter haften grundsätzlich nur mit ihrer Kapitaleinlage. Das Mindeststammkapital beträgt 25.000,- Euro, wobei zur Gründung nur die Hälfte eingezahlt werden muss.
An Stelle von Barkapital können auch Sachwerte eingebracht werden. Sie sind in einem Sachgründungsbericht genau zu definieren und deren Werthaltigkeit zu belegen.
Der Gesellschaftsvertrag der GmbH bedarf stets der notariellen Beurkundung. Dies gilt auch für die Bestellung und Abberufung des Geschäftsführers.
Name: Nach freier Wahl Personen-, Sach-, Phantasie- und Mischfirmen mit Gesellschaftszusatz "GmbH".

Weitere Informationen:
Merkblatt „Gesellschaft mit beschränkter Haftung“
Merkblatt „GmbH-Geschäftsführer – Pflichten und Haftungsrisiken“
Merkblatt „Auflösung und Beendigung einer GmbH – was muss ich wissen und beachten?"

Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt)

Seit dem 1. November 2008 gibt es die Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt). Sie ist keine eigenständige Rechtsform, sondern eine Sonderform der GmbH. Die Unternehmergesellschaft kann durch eine oder mehrere natürliche oder juristische Personen gegründet werden. Ein bestimmtes Mindestkapital ist grundsätzlich nicht vorgegeben. Für die Gründung der Unternehmergesellschaft reichen auch weniger als 25.000 Euro Stammkapital aus. Theoretisch ist die Gründung sogar mit nur 1 Euro Stammkapital möglich. Allerdings sollte der zu wählende Betrag sich nach dem zu erwartendem Finanzbedarf der Unternehmung richten. Eine Sachgründung ist bei der Unternehmergesellschaft ausgeschlossen.
Name: Nach freier Wahl Personen-, Sach-, Phantasie- und Mischfirmen mit Gesellschaftszusatz "Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt)" oder "UG (haftungsbeschränkt)"

Weitere Informationen:
Merkblatt „Die Unternehmergesellschaft“

Kleine Aktiengesellschaft
Die Aktiengesellschaft eignet sich erfahrungsgemäß weniger für kleine oder junge Unternehmen, da sie eine vergleichsweise hohe Formenstrenge aufweist und mit erheblichen Gründungskosten verbunden ist. Die bessere Alternative dürfte deshalb zumeist die GmbH sein. In die nähere Wahl kommt die Aktiengesellschaft aber dann, falls mit umfangreichen Gründungsinvestitionen zu rechnen ist und externe Kapitalgeber zur Stelle sind, die nicht unbedingt als "tätige Gesellschafter" mitzuwirken beabsichtigen. Mindestkapital: 50.000,- Euro, wobei seit 1994 auch die Einmann-Aktiengesellschaft zulässig ist. Im Falle der Börsennotierung ergeben sich natürlich weiter gehende Chancen der Kapitalbeschaffung.
Namenswahl:  Nach freier Wahl Personen-, Sach-, Phantasie- und Mischfirmen mit Gesellschaftszusatz "AG".

Weitere Informationen:
Merkblatt „Die kleine Aktiengesellschaft“

Stand: Juli 2009

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